Auf den Spuren der Big Five des Nordens

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Ich bin nach Schweden gekommen, mit einer Liste in der Hand. Darauf: die Big Five.
Nein, keine Angst, ich erwarte hier in Lappland keine Löwen, Elefanten, Büffel, Nashörner oder Leoparden. Aber ich denke Bär, Elch, Rentier, Adler und Vielfraß liegen im Rahmen des Möglichen. Der Norden hat seine eigenen Big Five.

Die typisch roten Häuschen sieht man hier im Lappland überall.1

Die größten Chancen, die doch eher schüchternen Tiere zu beobachten, rechne ich mir im Norden Schwedens aus, wo die Natur unberührt und die Welt noch in Ordnung ist. Also quartiere ich mich in Vindeln ein. Der kleine Ort mit seinen weniger als 2500 Einwohnern liegt mitten im Grünen und auch vom Meer nicht allzu weit entfernt, mein Hotel sogar direkt am Vindelälven-Fluss. Alles vorhanden, was für gelungene Naturabenteuer benötigt wird.


Das Waldhotel am Bärenfluss in Vindeln besticht durch seine einzigartige Lage. Wer mag kann auch in einem Vogelnest-Zimmer übernachten.2

Für den Anfang nehme ich mir eine — wie ich dachte — eher einfache Aufgabe von meiner Liste vor: Rentiere aufspüren. Direkt vor dem Hotel fängt ein Netz von Wanderwegen an und die Rentiere müssten sich hier so kurz unterhalb des Polarkreises doch pudelwohl fühlen. Also mache ich mich auf den Weg, überquere den Vindelälven-Fluss mit seinen reißenden Stromschnellen und tauche ein in den knallgrünen Birkenwald, der so typisch ist für die Region um Umeå.

Schon aus dem Hotel hat man einen unglaublichen Blick auf den reißenden Fluss.3

Ich stehe mitten im Wald, aber trotzdem fühlt es sich nicht so dunkel an, wie ich es erwartet hätte. Das liegt wohl an der späten Augustsonne, die sich ihren Weg durch die Blätterkronen sucht. Und die auch noch einmal den leuchtenden Effekt der hellen Rinde überall um mich herum verstärkt.

Weiße Rinde, soweit das Auge reicht.4

Wenn der Wald selbst schon so viel zu gucken und bewundern bietet, dann sind eigentlich keine Tiere mehr nötig, um den Ausflug perfekt zu machen, oder? Das rede ich mir zumindest selbst ein, nachdem ich mit tierlosen Fotos zum Hotel zurückkehre. Obwohl: Das stimmt nicht ganz. Um mich herum waren unzählige Vögel zu sehen, in den Baumwipfeln und auf dem Boden. Es klang unablässig ein Mix aus verschiedenen Vogelstimmen durch den Wald und ständig raschelte es irgendwo. Also selbst wenn ich nichts von meiner Liste der Big Five streichen konnte: Die Vielzahl der kleinen Tiere ist genauso beeindruckend.

Doch die Natur sieht nicht nur schön aus, sondern bietet auch einige Köstlichkeiten.5

Außerdem bleiben ja noch genug andere Möglichkeiten, an meiner Liste zu arbeiten. Zum Beispiel der Ausflug in den Nationalpark Björnlandet, wo ich mir ein wenig Unterstützung bei der Spurensuche hole und mich einer Gruppenführung anschließe. Das erste, was wir lernen: Obwohl der Name Björnlandet übersetzt “Bärenland” heißt, ist der Braunbär hier kein Dauergast. Aber er durchstreift das Land regelmäßig — also bleibt Hoffnung.

Die schiere Weite des Lapplands ist faszinierend.6

Die Landschaft hier, nur knapp zwei Stunden von Vindeln entfernt, ist wieder ganz anders: borealer Nadelwald so weit das Auge reicht, vor allem Kiefern dicht an dicht. Wir beobachten gerade noch ein paar Eichhörnchen, die sich von Ast zu Ast schwingen, als der Gruppenleiter uns am Rande einer Lichtung zum Stehen bringt. Pst! Leise, er hat irgendwas entdeckt. Er zeigt auf einen braunen Fleck auf der offenen Fläche, der sich vor dem waldigen Hintergrund nur wenig abhebt. Aber tatsächlich: Dort steht ein Elch! Seelenruhig und mit beeindruckendem Geweih. Was für ein Anblick! Ich kann meine Augen gar nicht abwenden.

Was für ein majestätisches Tier!7

Und doch müssen wir uns irgendwann trennen und den Rückweg Richtung Vindeln antreten. Kurz bevor ich in den Reisebus steige bin ich ganz versunken in den Gedanken, wie ich das Wort “Elch” auf meiner Liste später genüsslich durchstreichen werde. Ich lasse noch einen letzten Blick über das Bärenland gleiten. Moment, da kreist noch etwas anderes über dem Nadelwald! Und da bestätigt es auch schon der Guide, der uns gerade noch verabschiedet hat: ein Steinadler.

So einen Anblick wünsche ich mir auch für den nächsten Besuch im „Bärenland“.8

Ich genieße den Moment noch für einen Augenblick, steige dann ein und fange schon mal an, nach einem Stift zu kramen:

  • Bär
  • Elch
  • Rentier
  • Adler
  • Vielfraß

Manchmal ist es sogar besser, wenn man nicht alles auf einmal sieht. Denn jetzt habe ich eine gute Ausrede, noch einmal mit Andersweg.reisen ins Waldhotel am Bärenfluss zurückzukehren.

Bildnachweise:
1          Eckehard Heybrock
2, 5       Granö Bekasin
3          Zonista GmbH
4, 6, 7, 8  Imagebank Visit Sweden

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