Bilderbuchwinter am Polarrand

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Einmal am Polarkreis mit dem Winter so richtig Schlitten fahren! Raus aus dem Wintergrau, hinein ins schneefest verpackte schwedische Lappland. Von November bis April sind unterm Nordlichthimmel die Tannen weiß und jede Form der Rutschpartie verursacht Hochgefühle.

folio-a_curious_moose-4279Elchtest bestanden (Foto: Folio / imagebank.sweden.se)

Zunächst schlittern wir auf die Landebahn in Arvidsjaur, wo sich Automobilfirmen zum Wintertest einfinden – die Sache mit dem Elchtest ist ja schon sprichwörtlich. Entlang der Bahnstrecke der Inlandsbanan, die hier im Sommer zum Zugausflug durch die grüne Natur lockt, geht es an verschneiten Bahnhöfen vorbei nach Norden. Jokkmokk ist das Ziel, wo sich mitten im Winter die Samen Nordeuropas zum großen Markt versammeln. Wieviele Rentiere ein Same hat, wird er nie verraten, wohl aber, wie er Körper und Geist durch Gaben der Natur gesund hält. Die Seele wird durch meditativen Gesang, das Joiken, fit gehalten. Alles hat hier seinen eigenen Joik, ob Mensch oder Tier. Um eine Kostprobe dürfen Sie einen Samen immer bitten.

staffan_widstrand-dog_sledding_-1593To do Liste: Hundeschlitten fahren (Foto: Staffan Widstrand / Imagebank.sweden.se)

Der Morgen beginnt mit Freudengeheul von Huskies. Nach dem reichhaltigen schwedischen Frühstück sitze ich dick vermummt auf dem Schlitten. Die Hundemischlinge sind in Zweierreihen davor gespannt und warten ungeduldig darauf, sich dem Morgenrot entgegenzustürzen. Laufen bis zum Gehtnichtmehr, so geht Hundeleben in Lappland. Und wäre nicht der Schlittenführer, der nach zwei, drei Stunden auf der Bremse steht, die eifrigen Zöglinge liefen bis zur totalen Erschöpfung. Bis dahin geht der Hintern geschwind über Eis und Schnee, im Ohr nur das Getrappel der Pfoten und das Knirschen der Kufen. Und Hundegeruch in der Nase.

peter_grant-snowmobile-1250 Peter Grantimagebank.sweden.seIm Rausch der Geschwindigkeit: Unterwegs mit dem Schneemobil (Foto: Peter Grant / Imagebank.sweden.se)

Tempowechsel. So ein Motorschlitten riecht anders als ein Hundegespann, kann aber fünfmal so schnell fahren. Der Fahrtwind macht aus 20 fix 30, 40 Minusgrade und man ist dankbar für Overall, Handschuhe, Balaklava und Helm. Die Nase glüht kalt, der Hintern hockt beheizt. Der Gasdaumen bekommt Krämpfe. Gänge gibt‘s nicht. Die Zweitakter ziehen an wie eine Hundemeute. Am tollsten sind die Fahrten über See und Fluss, wenn der Vordermann fast im Schneestaub verschwindet und man mit Vollgas auf die Rücklichter zuhält.

Es wird noch cooler. Wir machen einen Ausflug ins vergänglichste Hotel der Welt, das Eishotel in Jukkasjärvi. Aus dem Flusswasser des Torne-Fluss geboren, im November von fleißigen Schneemenschen zu einem wohnlichen Kühlschrank geformt. Beliebig formbarer Rohstoff, der jedes Jahr Bildhauer herausfordert, den Rieseniglu mit unverfrorenen Ideen künstlerisch zu veredeln.

hans-olof_utsi-icehotel_suite-5321 Hans-Olof Utsiimagebank.sweden seCool genug? Eishotel in Jukkasjärvi (Foto: Hans-Olof Utsi / imagebank.sweden.se)

Drinnen ist es bei konstant minus fünf Grad sogar an der Eisbar gemütlich. Der coolste aller Barkeeper, mollig behütet mit edler Fellmütze, poliert ständig seinen eisigen Tresen blank. Ich bestelle ein Kaltgetränk. Über die spiegelnde Bar rutscht mir ein viereckiges Glas in die Handschuhe, befüllt mit einem farbigen Cocktail. Ich darf trinken bis zum Schmelzen des Gefäßes. Der Rekord, meint der Schneekönig hinter der Bar, stünde auf sieben Longdrinks, bevor so ein Eiskelch keinen Schluck mehr hält. Prost Winter!

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