Blaue Tage und weiße Nächte in Helsinki und Åland

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Finnland statt Italien? Für gewiefte Sommerstundensammler ist das zwischen Juni und August der neue Geheimtipp. Dem kristallklaren Charme blauer Tage und weißer Nächte an der finnischen Genussküste erliege ich sofort. Zwischen Helsinki, Turku und den Åland-Inseln brutzelt die Sonne nicht, sie streichelt mich. Und zwar fast von morgens bis morgens.

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Copyright: Jussi Hellstén

Nach Helsinki geht‘s der Kunst wegen. Angeblich gedeiht hier die größte Künstlerdichte einer Metropole. Moderne Kunst und cooles Finnen-Design begegnen mir beim Stadtbummel wie Markenzeichen. Marimekkos Designdruck machte Helsinki zum Mekka gradliniger Gestaltung und ist noch heute ein Dauerbrenner. Das durch die Kaurismäki-Filme und Matti Pellonpääs nüchterne Mimik geprägte, tragikomische Gesicht Helsinkis der Achtziger ist Vergangenheit. Heute verströmt die finnische Hauptstadt geradezu südländisches Flair. Die Flanierszene brummt und das Leben ist zum Wasser und den Schären ausgerichtet. Der Felsengrund aus Granit gibt ein Profil mit klarer Kante vor. Die markante Architektur spiegelt beispielsweise die ins Gestein gesprengte Felsenkirche. Der nordische Jugendstil und die Holzhäuser der Viertel Käpylä und Etu-Töölö oder das Parlament setzen sich gegen die moderne Finesse des finnischen Architekten Alvar Aalto und seiner Finlandia-Halle ab. Und die Stadt bastelt weiter am Kultprofil, mit dem frisch erweiterten Kunstmuseum HAM und durch den Entwurf für ein neues Guggenheim-Museum. Durch die Gruppierung schwarzer Pavillons soll sich ein harmonisches Bild im Einklang mit der Schären-Stadt und der Inselfestung Suomenlinna ergeben.

Helsinki Architektur

Spöttelnde Nachbarn flankieren Helsinki. Turku, Finnlands älteste Stadt und Europas Kulturkapitale 2011, stichelt: Als wir Hauptstadt waren, bestand Helsinki nur aus Fischerhütten. Sein Selbstbewusstsein lebt das postindustrielle Turku am Wasser aus. Der Stadtfluss heißt passend Aura, hier dümpeln im Sommer schwimmende Restaurants. Abends tauche ich in die Barszene, in denen sich die Studentenstadt als Mekka für moderne Elektroklänge und Jazz-Hipster outet. Mein Szene-Drink heißt „Finnish Shorts“: Jägermeister mit Lakritz-Vodka!

Turku

Helsinkis Nachbar im Osten, das Städtchen Porvoo, ist Finnlands zweitälteste Stadt. Der wunderbare Charme der engen Altstadt aus Holzhäuschen gipfelt im teilweise hölzernen Porvoo-Dom. In seinem Schatten finde ich den passenden Gaumenschmaus in einer Schokoladen-Manufaktur, was das Dolce Vita im südfinnischen Städtetrio perfekt abrundet.

Die fast 7.000 autonomen Ålandinseln liegen vor Turkus Toren. Man spricht schwedisch. Die wunderbare Hauptstadt Mariehamn mutet an wie eine russische Provinzstadt aus dem 19. Jahrhundert, mit dem geschäftigsten Segelhafen der Ostsee. Den schwankenden Mastenwald überragen die vier Bäume der stählernen Bark „Pommern“ vom Typ Windjammer, 1903 vom Stapel gelassen – heute ein einzigartiges Museumsschiff. Ich tauche aktiv mit dem Seekajak ein in die Inselwelt, mit der Fähre steuere ich das Eiland Föglö an, wo sich Axel Milberg unlängst beim Dreh für die romantische Komödie „Der Rekordbeobachter“ so sehr in die Insel mit Elchen, Adlern und Hechten verliebte, dass er auf den bewaldeten Granitbuckeln mit den kleinen Badehäuschen bleiben wollte. So magisch ist hier der Sommer.Aland

von Martin Müller

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