Natur und Romantik pur

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Ich bin mit dem Schweden-Virus infiziert. Pippi Langstrumpf und Nils Holgersson, die Romanhelden von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf schlugen mich als Kind in ihren Bann. Heute sorgt die Autorin Christiane Sadlo alias Inga Lindström mit über 60 Fernsehfilmen fürs neue Sehnen nach Schweden. Es wird Zeit auf den von ihr gelegten Spuren nach dem echten Schweden zu fahnden. Das fiktive Fadenkreuz liegt am See Yxningen in Östergötland, wo im Sommer das Inga Lindström Hotel zur Schwedensuche lockt.

Red Cabin christoffer_collin-cabins-5330Die roten Häuser sind ein typisches Markenzeichen Schwedens (Foto: Christoffer Collin/Imagebank Sweden)

Die Filmszenarios zeigen rote Häuser und barocke Landschlösser. Fähren tuckern durch Stockholms Wasser- und Inselwelt. Frauen sind blond und langhaarig, Männer adrett. Paare picknicken an Seen im Wald. Bettdecken sind blau gepunktet und summieren sich mit den gelblichen Streifen in der Polsterung zu der schwedischen Fahne. Wie erwartet zeigt auch das Hotel am See zur Einstimmung gleich mal Flagge.

anders_tedeholm-fishing-544237 Fisch-Spezies locken Angler nach Schweden (Foto: Anders Tedeholm/Imagebank/Sweden)

Angeln passt toll zum Ausspannen in der Seenlandschaft. Friluftsliv nennt man hierzulande Aktivitäten am Busen der Natur. Ich passe mich den Gepflogenheiten an und werfe meine Angel im Naturreservat Hästens Kyrkskog aus. Mit etwas Glück kann so am ersten Abend bereits selbstgefangener Fisch auf dem Menü stehen. Aber eigentlich ist mir der Fang weniger wichtig. Ich genieße einfach das Plätschern des Sees, den warmen Geruch des Moors und das Wolkengezupfe über schier unendlich dahinrollender Landschaft.

helena_wahlman-moose_in_water-4283Elche schwimmen mit bis zu 10km/h durch’s Wasser (Foto: Helena Wahlmann/Imagebank Sweden)

Tempowechsel. Mit dem Fahrrad erweitert sich der Horizont. Zu dieser Friluftsliv-Etappe gehört ein am Frühstücksbuffet zusammengestelltes Picknick. Viel frische Luft macht ja irgendwann richtig Appetit. Landsträßchen, Feldwege, Seen wie Himmelsspiegel: alles filmreif. An wie vielen einsamen See-Ufern kann man an einem Zweiradtag baden? Das Juchzen hallt von bewaldeten Ufern wider. Zum vollendeten Glück gehört jetzt nur noch der König des Forsts. Ob ein Elch unser Treiben beobachtet? Die geführte Pirsch auf den sanften Riesen verschieben wir auf den ewig verdämmernden Mittsommerabend, nebenan in Södermanland.

ola_ericson-night_in_gamla_stan-375Gamla heißt alt – zum Beispiel hier: Gamla Stan – Stockholms Altstadt (Foto: Ola Ericson/Imagebank Sweden)

Ah, das schwedische Ö! Nun wird‘s Zeit, ihm auf den Grund zu gehen. Es steckt ja überall drin, in Natur und Kultur. Auch in Inga Lindström. Und in einer ganzen Reihe von Orten. Etwa in Söderköping. Ein richtiger Guckkasten für spätes schwedisches Mittelalter, aufs beschaulichste und romantischte erhalten, komplettiert mit dem Göta-Kanal. Weiter geht‘s nach Linköping. Groß, geschäftig, selbstbewusst, studentisch. Aber neben der Moderne stoßen wir natürlich wieder aufs alte Schweden, in der kuscheligen hölzernen Altstadt Gamla Linköping – gamla heißt alt. Den natürlichen Schlussstein des Kulturtrips mit dem Ö bietet tatsächlich ein Fels, nämlich der mit 750 Runen eingekerbte riesige Menhir von Rök in Ödeshög am See Vättern. Eine weit über tausend Jahre alte mythische Königsgeschichte.

ola_ericson-the_city_hall-177Coolste Stadt des Nordens? Stockholm – auf jeden Fall eine Reise wert! (Foto: Ola Ericson/Imagebank Sweden)

Stockholm muss sein. Wegen Gustav und Silvia im Schloss sowie der Altstadt einerseits, dem hippen Ex-Arbeiterviertel Södermalm andererseits. Wegen lieblichem Mälarsee einerseits, Ostsee mit rauher  Schärenküste samt Seeadlern andererseits. Herz und Hirn Stockholms kommen aber am Rathaus zusammen, dem Ausrufungszeichen aus acht Million Backsteinen. Stadtregierung, Nobelpreisbühne und Sprungbrett für sommerlichen Überschwang: Vor dem Panorama der Metropole katapultieren sich Wasserspringer kopfüber in die Gewässer der coolsten City des Nordens. Der Drang zur Natur liegt halt auch den schwedischen Städtern in der DNA.

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Ein Gedanke zu „Natur und Romantik pur

  1. Auch ich habe mich mti dem Schweden-Virus infiziert. Auch nächstes Jahr zieht es mich wieder nach Schweden. Hauptsächlich zum Angeln, aber auch, um noch mehr von Schweden und den Bewohnern zu sehen. Darauf freue ich mich jetzt schon und die Bilder sorgen direkt für Fernwehstimmung.

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