Segeln und Steineschnippen im åländischen Inselmeer

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In Mariehamn schnippe ich Steine übers Wasser, im Rampenlicht des ewig dauernden Sonnenuntergangs stehend. Die Åland-Inseln sind nämlich ein Paradies fürs Steinehüpfen. Das ist verbrieft, seit Axel Milberg 2012 im Film „Der Rekordbeobachter“ den pedantischen Schiedsrichter für ein einschlägiges Rekordebuch gab. Humor, Liebe und Inselleben auf Åland, das lockt mich ins Inselmeer. Natürlich unter Segeln. Der Zweimaster Albanus wartet im Hafen von Mariehamn.

A065T(1)Foto: Visit Finland

Mariehamn ist Hauptstadt und Heimat für knapp die Hälfte der 25.000 Åländer. Im Sommer passt im Jachthafen kein Blatt mehr zwischen die Besucherboote. Den Mastenwald überragen die vier Bäume der stählernen Bark „Pommern“ vom Typ Windjammer, 1903 vom Stapel gelassen – heute ein einzigartiges Museumsschiff mit schniekem Salon, intakt gehalten von einer Freiwilligen-Crew. Das bunte Bild Mariehamns als Zentrum für Ostsee-Seefahrt vervollständigen alte Holzsegler im Westhafen.

In den letzten Jahren haben die autonomen Åland-Inseln ja mächtig Wind gemacht. Im Sommer 2010 stießen Taucher auf was richtig Spritziges, nämlich 168 Flaschen Champagner, die wohl der französische König Ludwig XVI vor 200 Jahren an den Zaren schickte. Veuve Clicquot und Juglar wurden feierlich verköstigt und sollen trinkbar gewesen sein. Unterwasserlagerung à la Åland ist also ein Geheimtipp.

Foto: Robert SmithFoto: Robert Smith

Über Wasser ist Åland ein famoser Felsengarten. Der Granit ist dunkel bis rötlich, sinnlich gerundet, von der Sonne aufgeheizt – ideal, um sich nach dem Bad darauf auszustrecken. Manchmal lugt er auch nur eine Handbreit aus dem Wasser. Dann ist er ein „stenarna“, etwas größer ein „kobben“, wieder größer aber noch baumlos heißt er „skär“, „slangen“ wenn flach, „kläpp“ wenn‘s zur Klippe reicht.

Drei Tage segelt die Albanus zwischen Klippen und Inseln einher, die Richtung bestimmt vom Wind. Der traditionell gefertigte Kiefernholzsegler legt sich knarzend ins Zeug, wir nehmen Kurs von Mariehamn zur Insel Kumlinge, zu deren Gemeindebezirk vier bewohnte und 800 unbewohnte Eilande gehören. Herrlich geschützt liegen wir in einem natürlichen Hafen, der Koch rührt das Essen an, ich marschiere zurm alten Inselkirchlein, dessen Inneres mit franziskanischen Kalkmalerien lockt. In der Granitbuckel-Landschaft mit kuschligen Erlenwäldchen wohnen Elch, Kreuzotter und Ringelnatter, Hasen und Eider-Enten, im Wasser tummeln sich Hecht und Flunder. Auf den Teller kommt natürlich Fisch, schließlich rolle ich mich in eine der 21 traditionellen Kojen im Mannschaftsraum.

Albanus -Emmy Karlsson Segelschiff FinnlandAlbanus (Foto: Emmy Karlsson)

Das Inselhüpfen mit dem Wind kann weiter nordwärts nach Enklinge führen, wo der fast fünfhundertjährige Bauernhof Heimas in die Zeit zurückreicht, wo die Inseln ein Zankapfel zwischen Schweden und Russland waren. Steht der Wind auf Süden, kann die Reise auch in den abgelegenen Südosten zur Inselgemeinde Kökar gehen, deren 350 Bewohner selbst bei Åländern als kauzig gelten. Für die nächste Nacht fällt der Anker im Hafen Korpoström, der schon zu den Turku-Schären zählt. In der Sauna singsangt man statt auf Åländisch-Schwedisch nun auf Finnisch. In Turku, der urfinnischsten Stadt, räume ich meine Koje und gehe von Bord. Nicht ohne noch einen Stein zu schnippen.

Pink sky and boatsDas Ziel für diese Reise – Turku (Foto: Julia Kivelä)

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